Zukunftssichere IT-Sicherheit: Passkeys als Schutz vor Cyberangriffen

22. April 2026

Die digitale Bedrohungslage für Unternehmen im deutschsprachigen Raum verschärft sich kontinuierlich. Immer ausgefeiltere Ransomware-Angriffe, der gezielte Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) durch Cyberkriminelle und die zunehmende Vernetzung von Geschäftsprozessen stellen klassische Passwortsysteme vor grosse Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Einführung passwortloser Authentifizierungsmethoden, insbesondere von Passkeys, zunehmend an Bedeutung. Sie markieren einen Paradigmenwechsel hin zu mehr Sicherheit, Effizienz und Nutzerfreundlichkeit im digitalen Identitätsmanagement.

Aktuelle Bedrohungslage: Cyberangriffe auf dem Vormarsch

Die Zahl der Cyberangriffe auf Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Laut aktuellen Analysen wurden allein im vierten Quartal 2025 wöchentlich fast 2.000 Angriffe auf deutsche Unternehmen registriert. Besonders im Fokus stehen dabei Ransomware-Attacken, die gezielt Organisationen aus dem Energie- und IT-Sektor, aber auch Bildungseinrichtungen und kritische Infrastrukturen treffen.

Die fortschreitende Digitalisierung eröffnet Angreifenden immer neue Angriffsflächen. Moderne Cyberkriminelle nutzen dabei verstärkt KI-basierte Werkzeuge, um Angriffe zu automatisieren und in bislang unbekanntem Umfang zu skalieren. Insbesondere Managed Service Provider und Collaboration-Plattformen geraten verstärkt ins Visier, da sie als Multiplikatoren für Angriffe auf zahlreiche nachgelagerte Systeme dienen können.

Ransomware und KI: Neue Qualitäten der Bedrohung

Ransomware bleibt das dominierende Risiko für Unternehmen aller Grössenordnungen. Die Angreifenden setzen zunehmend auf KI-gestützte Methoden, um Phishing-Kampagnen zu automatisieren, Verhandlungen zu führen oder individuelle Social-Engineering-Angriffe zu starten. Der Anteil der Angriffe auf Managed Service Provider ist im Jahr 2025 weltweit signifikant gestiegen, was die besondere Verwundbarkeit dieser Branche unterstreicht.

Auch in der Schweiz zeigt sich die Bedrohungslage, wenn auch auf niedrigerem Niveau als in anderen Ländern der Region. Die Zahl kompromittierter Zugangsdaten, die im Darknet gehandelt werden, bleibt hoch und bildet die Grundlage für weitere Angriffe – etwa durch Credential-Stuffing oder Brute-Force-Attacken.

Finanzbranche im Fokus: KI verschärft die Risiken

Die Finanzbranche steht angesichts der zunehmenden Nutzung von KI-basierten Angriffswerkzeugen vor besonderen Herausforderungen. Prognosen für das Jahr 2026 gehen von einer deutlichen Zunahme gezielter Attacken auf Banken und Finanzdienstleister aus. Insbesondere sogenannte „Agentic AI“-Malware kann ihr Verhalten dynamisch anpassen und klassische Abwehrmechanismen gezielt umgehen.

Ein weiteres Einfallstor sind Messenger-Dienste und Deepfake-Technologien, die für Social-Engineering-Kampagnen genutzt werden. Gefälschte Jobangebote oder manipulierte Kommunikationskanäle dienen dazu, sensible Daten zu erschleichen. Gleichzeitig steigt im Darknet die Nachfrage nach Tools, mit denen sich Prüfprozesse wie KYC („Know Your Customer“) umgehen lassen. Unternehmen, die auf Desktop-Online-Banking setzen, sind besonders gefährdet, während Infostealer als „Malware-as-a-Service“ flexibel und skalierbar zum Einsatz kommen.

Passkeys: Die Zukunft der Authentifizierung

Angesichts dieser Entwicklung rückt die passwortlose Authentifizierung in den Mittelpunkt moderner IT-Sicherheitsstrategien. Passkeys bieten eine innovative und nachhaltige Lösung, um die Sicherheit digitaler Identitäten zu stärken und zugleich die Nutzerfreundlichkeit zu erhöhen.

Was sind Passkeys?

Passkeys sind kryptografisch erzeugte, digitale Schlüssel, die den Zugang zu Systemen eindeutig und sicher regeln. Sie ersetzen klassische Passwörter vollständig und basieren auf etablierten Standards wie FIDO2. Die Authentifizierung erfolgt in der Regel über biometrische Merkmale (z. B. Fingerabdruck, Gesichtserkennung) oder physische Sicherheitstoken, wodurch das Risiko des Abfangens oder Missbrauchs von Zugangsdaten signifikant sinkt.

Vorteile von Passkeys auf einen Blick

  • Umfassender Schutz vor Phishing, Credential-Stuffing und Brute-Force-Angriffen
  • Keine Weitergabe sensibler Zugangsdaten an Dritte
  • Einfache Integration in bestehende IT-Infrastrukturen
  • Verbesserte Nutzererfahrung durch Wegfall des Passwortmanagements
  • Erfüllung regulatorischer Anforderungen in sensiblen Branchen

Typische Einsatzszenarien

Passkeys eignen sich für eine Vielzahl von Anwendungsfällen, darunter der Zugriff auf Unternehmensanwendungen und Cloud-Dienste, die Absicherung interner Kommunikation sowie die Authentifizierung in regulierten Branchen wie dem Finanz- oder Gesundheitswesen.

Schrittweise Einführung von Passkeys: Ein praxisorientierter Fahrplan

Die Implementierung von Passkeys in Unternehmen erfordert eine strukturierte Vorgehensweise und die Einbindung aller relevanten Stakeholder. Im ersten Schritt steht die Analyse der zu schützenden Systeme und Prozesse. Darauf folgt die Auswahl geeigneter Technologien – beispielsweise FIDO2-Token oder mobile Authentifizierungslösungen.

Eine Pilotphase mit ausgewählten Nutzergruppen ermöglicht es, Erfahrungen zu sammeln und Anpassungen vorzunehmen. Anschliessend erfolgt die Integration in zentrale Identitäts- und Zugriffsmanagement-Systeme. Die Schulung der Mitarbeitenden ist ein entscheidender Erfolgsfaktor, um Akzeptanz und Sicherheit im Umgang mit der neuen Authentifizierung zu gewährleisten. Der Rollout sollte stufenweise erfolgen, begleitet von kontinuierlichem Monitoring und der Optimierung der Massnahmen.

Best Practices für eine sichere Einführung

Ein umfassendes Sicherheitskonzept geht über die reine Einführung von Passkeys hinaus. Die Kombination mit Multi-Faktor-Authentifizierung erhöht das Schutzniveau weiter. Regelmässige Überprüfung und Anpassung von Zugriffsrechten sind ebenso essenziell wie die Integration von Passkeys in Notfall- und Wiederherstellungsprozesse. So bleibt der Zugriff auf kritische Ressourcen auch im Ernstfall gewährleistet.

Fazit: Passkeys als nachhaltiger Schutzschild gegen Cyberangriffe

Die dynamische Bedrohungslage durch Cyberkriminalität und der technologische Wandel erfordern innovative Ansätze im Identitätsmanagement. Passkeys bieten Unternehmen eine zukunftssichere Möglichkeit, digitale Identitäten zu schützen und gleichzeitig die Nutzerfreundlichkeit zu steigern. Sie minimieren das Risiko von Phishing und Datendiebstahl, lassen sich flexibel in bestehende IT-Landschaften integrieren und erfüllen höchste Compliance-Anforderungen.


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